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Foto Basics: Die Blende

Dies ist der erste Artikel, der sich mit fotografischem Grundlagenwissen beschäftigt. Er richtet sich an Einsteiger, die ihr Wissen erweitern wollen und so ihre Bilder auf das nächste Level bringen möchten. Umsteiger, die von einer einfachen Point-and-Shoot-Kamera, bei der man nur den Auslöser drücken konnte, sonst aber keine Eingriffe in den Bildentstehungsprozess möglich waren, auf eine Spiegelreflexkamera oder eine Systemkamera aufgerüstet haben, werden mit vielen Zahlen konfrontiert: Blende, Verschlußzeit, ISO oder Brennweite. Erst die Kenntnis, was diese Werte bei einem Foto bewirken und der bewußte Umgang damit ermöglicht eine geplante Bildwirkung. Die teuere Spiegelreflex- oder Systemkamera einfach auf Totalautomatikstellung zu betreiben bringt keine besseren Bilder als beim „Knipsen“ mit einer einfachen Point-and-Shoot-Kamera.

Erklärungen zu den Grundlagen der Fotografie werden hier im Blog in loser Folge immer mal wieder erscheinen. Los geht’s mit der Blende, die jedes moderne Objektiv besitzt.

Die Blende steuert die Bildhelligkeit des aufgenommenen Gegenstandes auf dem Sensor (bzw. Film). Dank einer Irisblende kann man die Öffnung der Blende verändern. Eine Irisblende hat viele überlappende Blendenlamellen, so dass sich die Blendenöffnung pupillenartig vergrößern und verkleinern lässt. Je größer die Blendenöffnung, desto mehr Licht fällt auf den Bildsensor. Dabei ist es für den Anfänger oft verwirrend, dass eine große Blendenöffnung  einer kleinen Blendenzahl entspricht. Dies ist in den nächsten Bildern an einem Samyang 85mm-Objektiv verdeutlicht. Blende 1.4 (Offenblende) zeigt eine große Lichtöffnung, bei Blende 8 ist sie deutlich kleiner.

Samyang 85mm/1.4

Blendenvergleich

Blendenöffnungsvergleich beim Samyang 85mm/1.4: Offenblendig und bei Blende 8

Wie kommt nun der Zahlenwert der Blende zustande? Wäre es nicht einfacher, den Öffnungsdurchmesser der Blende als Zahlenwert in Millimeter anzugeben? Nein, das geht deshalb nicht, da die Blende die Helligkeit des Bildes auf dem Sensor regelt und diese hängt auch noch von der Brennweite des verwendeten Objektivs ab. Vergleicht man die Bildhelligkeit eines Gegenstandes, der mit einem  Weitwinkel- und einem Teleobjektiv bei gleichem Öffnungsdurchmesser der Blende aufgenommen wurde, dann ist das vom Teleobjektiv erzeugte (größere) Abbild des Gegenstandes dunkler. Die verwendeten Blendenzahlen berücksichtigen dies, so dass die Bildhelligkeit eines aufgenommenen Gegenstandes bei gleicher Blendenzahl stets die gleiche ist. Dies ist für die Belichtungsmessung wichtig.

Die nächste Abbildung demonstriert die verschiedene Bildhelligkeit bei verschiedenen Blendenwerten. Die restlichen Aufnahmeparameter (ISO, Verschlußzeit und Brennweite) wurden dabei nicht verändert. Bei Blende 5.6 ist das Foto zu hell, bei Blende 10 ist es richtig belichtet und bei Blende 16 ist es unterbelichtet.

Für den Anfänger mag der Zusammenhang zwischen der Blende und der Schärfentiefe noch interessant sein. Unter der Schärfentiefe versteht man den Bereich vor und hinter der genauen Einstellebene, der noch als ausreichend scharf wahrgenommen wird. Die Schärfentiefe wird um so größer, je mehr man abblendet (die Blendenöffnung verkleinert), also je größer die Blendenzahl wird. Die folgenden Bilder veranschaulichen dies (aufgenommen mit dem Walimex 85mm/1.4-Objektiv an einer Nikon D300).

Die Schärfentiefe hängt auch noch von der Brennweite des Objektivs ab. Bei gleicher Blende und Entfernungseinstellung ist die Schärfentiefe bei Weitwinkelobjektiven größer als bei Telebrennweiten.

Normalerweise ist die Blende beim Blick durch den Sucher vollständig geöffnet und wird erst direkt vor der Belichtung nach dem Drücken des Auslösers auf den eingestellten Wert (=Arbeitsblende) geschlossen. So hat man ein helles Sucherbild, kann aber den endgültigen Schärfeverlauf nicht kontrollieren. Bessere Spiegelreflexmodelle bieten hier Abhilfe mit einer sogenannten Abblendtaste. Solange diese gedrückt wird schließt sich die Blende auf den voreingestellten Wert, der Sucher verdunkelt sich entsprechend und man sieht den Schärfeverlauf so, wie er auf dem Foto sein wird.

Gestalterisch ist es oft nicht sinnvoll, alles von vorne bis hinten im Bild völlig scharf zu haben. Bildwichtige Details können über einen gezielt gesetzten Schärfeverlauf hervorgehoben werden. Bei Portraits lässt man z.B. den Hintergrund bewußt in der Unschärfe verschwinden, dafür verwendet man dann eine große Blende.

Leider sind lichtstarke Objektive mit einer großen Anfangsblendenöffnung sehr teuer. Generell gilt: je größer die Anfangsblende, desto teuerer (und auch schwerer) das Objektiv. Ein Tipp ist hierbei ein 50mm/1.8-Normalobjektiv. Alle Spiegelreflexkamerahersteller bieten ein solches Objektiv zu einem günstigen Preis an.

Fotografiert man mit ganz kleinen Blendenöffnungen, so kommt es trotz der großen Schärfentiefe zu einem allgemeinen Schärfeverlust. Hervorgerufen wird dieser durch die Beugung der Lichtstrahlen an den Rändern der Blende. Besonders fällt das bei Lochkameraaufnahmen auf, da hier mit extrem kleinen Blendenöffnungen gearbeitet wird. Das folgende Bild, aufgenommen mit einer Lochblende an einer Digitalkamera zeigt diesen Effekt deutlich.

Lochkameraaufnahme – große Schärfentiefe aber allgemeine Unschärfe