Archiv für den Monat: Mai 2013

Holgagrafie: Eine kurze Einführung

Die Holga ist eine billige Plastikkamera, die für den chinesischen Massenmarkt in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt wurde. Sie belichtet 120er Mittelformatfilm entweder im Format 6×6 oder 4,5×6 cm. Die Formatauswahl erfolgt durch zwei verschiedene Masken, die hinter das Objektiv gesteckt werden. Lässt man die Masken weg, bekommt man nicht reproduzierbare Unschärfeeffekte, da der Film dann nicht mehr unbedingt plan liegt.

Die Einstellmöglichkeiten sind bei einer Holga sehr limitiert: Es stehen nur zwei Blenden zur Verfügung, offiziell f8 und f16, in Wirklichkeit eher f13 und f19. Die Entfernung wird grob über einen mit Symbolen verzierten Einstellring festgelegt. Die Plastiklinse (mittlerweile gibt es auch Modelle mit einer einfachen, unvergüteten Glaslinse) besitzt eine Festbrennweite von ca. 60 mm. Die Verschlußzeit beträgt ca. 1/100 s, manche Modelle bieten noch die Möglichkeit, den Verschluß solange offen zu halten, wie der Auslöser gedrückt wird (Bulb).

Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Modelle mit verschiedensten Ausstattungsmerkmalen auf den Markt. Es gibt Holgas mit Plastik- oder Glaslinsen, sie sind aber auch als Lochkameras erhältlich. Desweiteren gibt es Modelle mit Lichtschachtsucher, für 3D-Fotografie und für Panoramafotografie. Alles sind analoge Apparate für Mittelformat- oder Kleinbildfilm.

Erhältlich sind die verschiedenen Modelle über die Bucht von Anbietern aus Hongkong, etwas teuerer wird es bei deutschen Händlern.

Die Ergebnisse, die man mit einer Holga erzielt sind alles andere als perfekte Bilder. Aufgrund der billigen Bauart ergeben sich eine Fülle von Abbildungsfehlern, die aber gerade den Reiz der Aufnahmen ausmachen. Einige dieser eingebauten „Features“ sind zum Beispiel:
Die Bilder vignettieren stark; der Ort maximaler Schärfe liegt im Zentrum, zum Rand hin werden die Bilder sichtlich unscharf; vom sichtbaren Farbspektrum werden am unteren und oberen Ende Wellenlängen abgeschnitten, auch gibt es deutliche chromatische Aberationen, dies führt zu einer charakteristischen Farbstimmung bei Holgabildern; oft gibt es auch Lichtlecks, die die Bilder einer Holga einzigartig machen. Die Lichtlecks und das rote Sichtfenster in der Rückwand, das die Bildnummer des Films bei Mittelformatmodellen zeigt, werden aber auch oft mit Klebeband abgedichtet damit kein Licht eindringen kann.

Der manuelle Filmtransport bietet Raum für kreative Einsatzmöglichkeiten. So sind z.B. Mehrfachbelichtungen oder überlappende Belichtungen sehr einfach realisierbar.

Das Fotografieren mit einer Holga ruft bei den Betrachtern unterschiedliche Reaktionen hervor: Auf der einen Seite genießt die Holga Kultstatus, auf der anderen Seite gibt es viele, die diese Art der Fotografie zutiefst verabscheuen. Für mich ist das Fotografieren mit der Holga ein Experiment. Manchmal gefallen mir die Ergebnisse, oft auch nicht.

Wie steht ihr zur Holgagrafie? Mögt ihr sie oder haßt ihr sie? Lasst es mich doch in den Kommentaren wissen.

Für meine Bilder verwende ich eine Holga 120N. Es ist das einfachste Modell für Mittelformatfilm mit Plastiklinse und Mittenkontaktblitzschuh.

Zum Schluß noch Bilder eines von mir bei einem Rundgang durch Nabburg (Oberpfalz/Bayern/Deutschland) aufgenommenen Films, schwarzweiß, Kodak Tmax pro 100, 06/2002 abgelaufen. Belichtet am 24.05.2013 bei sehr bedecktem Himmel. Es sind nur elf Bilder, da ich den Film beim Einspulen in die Kamera zu weit gedreht habe. Die Ergebnisse in ihrer Unvollkommenheit erinnern mich an mehr als 100 Jahre alte Aufnahmen.

Weitere Holgaexperimente werde ich in loser Reihenfolge hier im Blog präsentieren.

Makros mit dem Umkehrring

Es gibt viele Möglichkeiten kleine Motive formatfüllend in Szene zu setzen: Makroobjektive, Nahlinsen, Balgengeräte und Umkehrringe.

Vor kurzem besorgte ich mir einen Umkehrring (oder auch Retroadapter genannt) für meine Nikon DLSRs. Dabei wird das Objektiv nicht per Bajonett mit der Kamera verbunden sondern mit der Frontlinse in Richtung Kamera/Sensor. Dazu besitzt der Umkerring ein für das Filtergewinde des Objektivs passendes Gegenstück auf der einen Seite, auf der anderen Seite hat er einen ganz normalen, an die Kamera passenden Bajonettanschluß. Je weitwinkliger das Objektiv ist, desto größer wird der erreichbare Abbildungsmaßstab.

Die von mir genutzte Kombination zeigen die folgenden Fotos: An eine Nikon D800 wurde mittels zwei Filteradapterringen ein altes aber lichtstarkes und sehr scharf abbildendes Vivitar 2.8/28mm-Objektiv (mit Minolta-MD-Bajonett, manuelle Fokussierung) an den Umkehrring angeschraubt. Die Filteradapterringe sind hier nötig, da der Umkehrring ein 58mm-Außengewinde, das Objektiv aber ein 49mm-Filtergewinde besitzt. Zum leichteren Scharfstellen verwendete ich einen T-Einstellschlitten zwischen Stativ und Kamera.

Den im zum Vergleich eines normal an die Kamera befestigten Objektivs größeren Abbildungsmaßstab erkauft man sich hier aber auch mit einigen Nachteilen. Der (einfache) Retroadapter überträgt keine Informationen zwischen Kamera und Objektiv, speziell also auch keine Blendenwerte. Verwendet man Nikonobjektive ohne manuellen Blendenring (also z.B. alle neueren AF-Objektive) wird beim Abnehmen des Objektivs von der Kamera die Blende automatisch geschlossen, so dass man die Objektive in Retrostellung nur mit der kleinsten Blende verwenden kann. Dies führt zu einem extrem dunklen Sucherbild und das Scharfstellen ist kaum noch möglich. Bei Canon-Objektiven gibt es den Workaround beim Abnehmen der Objektive die Abblendtaste gedrückt zu halten, dann bleibt die Blende in der letzten an der Kamera eingestellten Arbeitsblende stehen. Bei meinen Nikons hat dies nicht funktioniert. Deshalb verwende ich ein altes manuelles Objektiv mit separatem Blendenring. Hat man keines dieser alten Schätzchen aus analogen Zeiten, so bekommt man sie relativ günstig, der Bajonettanschluß ist dabei nebensächlich, er wird ja nicht verwendet und weist von der Kamera weg in Richtung Motiv. Für welche Kameramarke das Objektiv einmal konstruiert wurde ist also egal, man sollte auf eine am Objektiv einstellbare Blende und einen intaktes Filtergewinde achten.

Der Autofokus funktioniert mit dem Umkehrring auch nicht mehr, man muss manuell scharfstellen. Dazu kann man den LiveView der Kamera in einer Vergrößerungsstufe verwenden. Es empfiehlt sich auch, zum Fokussieren die Blende vollständig zu öffen, dann hat man ein helles Sucherbild. Zum genauen Einstellen der Schärfeebene und des (horizontalen) Bildausschnitts kam bei mir noch ein Makroeinstellschlitten zum Einsatz.

Der Abstand Objekt – Objektivfront (hier wohl besser: Objektivbajonett) ist bei Weitwinkelobjektiven sehr gering, bei meinen Fotos betrug er nur ca. 5-7 cm. Dies erschwert u.U. die Ausleuchtung des Motivs, ein Ringblitz umgeht dies. Ich verwendete einen Strobist-Blitz, funkgetriggert mit zwei Yongnuos RF-603. Der eingebaute Kamerablitz wird bei solch kurzen Aufnahmedistanzen durch das Objektiv abgeschattet und kann nicht verwendet werden.

Trotz der geschilderten Nachteile, die der Umkehrring mit sich bringt, lohnt sich der Einsatz. Die Verwendung eines umgedrehten Objektivs führt zu einer ausgezeichneten Abbildungsqualität, die den Vergleich mit speziell für die Makrofotografie gerechneten Objektiven nicht scheuen braucht und die von Vorsatzlinsen bei weitem übertrifft. Hier zum Vergleich links ein Bild mit dem obig erwähnten Vivitar 28mm-Objektiv in Retrostellung und rechts ein Bild, das ebenfalls mit der Nikon D800 (allerdings im DX-Modus) und mit dem Tamron SP AF 60mm F2 Di II Macro Objektiv aufgenommen wurde.

Zum Schluss noch ein paar weitere Makrofotos, die alle mit dem Vivitar 28mm-Objektiv in Retrostellung entstanden:

Günstiger Geotagger für Nikon DSLR

Fotos mit Ortsinformationen versehen kann heute fast jedes Handy, auch einige Kompaktkameras haben einen eingebauten GPS-Empfänger. Als Besitzer einer DSLR hingegen ist das „Geotagging“ oder „Geocoding“ noch mit mehr Aufwand verbunden: Man kann einen GPS-Logger (z.B. mit dem Smartphone) zum Fotografieren mitnehmen und anhand einer mit dem Logger synchronisierten Kamerauhr die GPS-Daten dann später mit geeigneter Software (Geosetter, Lightroom 4, o.ä.) in die Exif-Daten der Fotos schreiben. Direkter geht es mit diversen GPS-Modulen, die meist in den Blitzschuh der Kamera gesteckt werden und durch ein Kabel mit den Kameras, die das unterstützen, verbunden werden.

Doch wozu das Ganze? Lädt man getaggte Fotos z.B. auf Flickr oder Panoramio hoch, so werden diese sofort richtig auf einer Karte angezeigt, in Lightroom kann man durch reverses Geocoding Ortsnamen automatisch in die Verschlagwortung übernehmen und Bilder nach Orten sortiert anzeigen und suchen.

Die meisten GPS-Module für DSLRs kosten 100 und mehr Euro. An dieser Stelle möchte ich euch ein ziemlich preiswertes Modul vorstellen, das ich seit ein paar Wochen im Einsatz habe: Der Genesis GPS-N.

Für nur knapp 40 Euro habe ich es mir beim freundlichen Polen hier bestellt. (Für die Verlinkung bekomme ich nichts!) Die Zahlung erfolgte per Überweisung auf eine deutsche Bank und wenige Tage später war das Teil in meinem Briefkasten. Leider gibt es den GPS-N momentan nur für Nikon DSlr’s.

Genesis GPS-N

Im Lieferumfang befindet sich neben dem Geotagger selbst noch folgendes Zubehör: Zwei verschiedene Kameraanschlußkabel (für die beiden Nikon-Anschlußarten), ein Kabelauslöser, der am Geotagger angeschlossen werden kann (sehr praktisch, da der normale Anschluß an der Kamera vom Geotagger belegt wird), eine Handschlaufe (falls man den Logger nicht in den Blitzschuh stecken will, sondern z.B. ans Stativ hängen will) und eine kurze Anleitung.

Bei einem Upload der getaggten Bilder ins Internet sollte man dann aber überlegen, ob man den Entstehungsort öffentlich machen möchte.

Fazit: Der Genesis GPS-N ist ein solider Geotagger für Nikon DSLR’s, der einem eine Menge manuelle Tagarbeit erspart und außerdem wahrscheinlich das preiswerteste Modell am Markt ist.

Oldtimertreffen 2013 in Weiden i.d.Opf.

Vor einer guten Woche, am 05.05.2013 war es mal wieder soweit. Der AvD organisierte ein Oldtimertreffen in der Weidener Fußgängerzone rund um das alte Rathaus. 179 betagte motorisierte Vehikel konnten bei gutem Wetter von den Besuchern dieses Events bestaunt werden. Darunter befand sich sogar ein 103 Jahre alter Buick.
Yashica Mat - 124 G

Zu den alten Autos, so dachte ich mir, passt auch eine alte Kamera. So zog ich am Vormittag los, um mit meiner doppeläugigen (einer TLR = Twin-Lens-Reflex) Yashica Mat 124 G nun endlich doch einmal den vor einem halben Jahr eingelegten Schwarzweiß-Film zu belichten. Die Negative wurden gescannt und in LR4 noch etwas angepasst. Alle 12 Fotos des Films findet Ihr hier (Klick macht groß bzw. Diashow) :

Nachmittags war ich dann nochmal mit meiner Nikon D800 und dem Ultraweitwinkelzoom 12-24mm von Sigma unterwegs um ein paar Impressionen einzufangen:

Was kann der Leser erwarten?

Jetzt ist es soweit lieber Leser:

Der neue Blog von Oberpfalzpanorama ist aufgesetzt und bereit, mit Content gefüllt zu werden. Das Einrichten von WordPress gestaltete sich überraschend einfach, das hatte ich mir zeitraubender vorgestellt. Natürlich wird sich das Erscheinungsbild des Blogs mit der Zeit noch dynamisch verändern. Das momentane Aussehen ist nur der Startpunkt, Ihr wißt ja: Alles fließt (Heraklit).

Mit welchen Themen werde ich mich nun in diesem Blog beschäftigen?

Da ich mich seit ca. 30 Jahren mit der Fotografie beschäftige, möchte ich hier einen Platz schaffen, um

  • über digitale Fotografie zu reden.
  • über Techniken und Möglichkeiten der analogen Fotografie zu informieren.
  • über Fotoausrüstung zu diskutieren.
  • meine persönlichen Erfahrungen zu teilen.
  • Euch meine Bilder und fotografischen Arbeiten zu zeigen.
  • Tutorials zu veröffentlichen.

Das Spektrum ist weit gefächert, klar ist natürlich, dass ich nicht die gesamte Bandbreite aller fotografischen Themen abdecken kann. Soweit ich mich aber mit der Materie beschäftigt habe, versuche ich, das auch zu vermitteln.

Die Beiträge werden in unregelmäßigen Abständen erscheinen, je nachdem, wie ich Zeit und Lust habe.