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Das „New Petzval Lens“ der Lomographischen Gesellschaft


Die Lomographische Gesellschaft hat sich mit dem russischen Kamerahersteller Zenit zusammengetan und die Neuauflage eines klassischen Objektivs herausgebracht: Vor knapp 200 Jahren revolutionierte Joseph Petzval mit einer Neukonstruktion den Objektivmarkt. Sein Objektivdesign erlaubte eine bis dahin ungekannte Lichtstärke und ein sehr scharfes Zentrum. Die von Zenit in Krasnogorsk produzierte und für Vollformatsensoren gerechnete Neuauflage ist völlig anders als man das von modernen Objektiven gewohnt ist: Es ist ein vollständig manuelles Objektiv, d.h. kein Chip kommuniziert mit der Kameraelektronik und es gibt keinen Autofokus. Scharfgestellt wird mit einem kleinen Rad, das sich seitlich am Objektiv befindet.
Charakteristisch ist das Bokeh (= Qualität der unscharfen Bereiche im Bild) der Linse: Das Objektiv erzeugt bei offenblendiger Verwendung ein kreisförmiges Bokeh um die scharfe Mitte des Bildes.
Ganz ungewohnt ist das Blendensystem des Petzval-Objektivs: Steckblenden aus Metall werden von oben in einen schmalen Schlitz im Objektiv eingeführt. Die Gefahr des Staubeintritts in das Objektiv ist so natürlich gegeben. Auch muss man aufpassen, dass man die einzelnen Blenden nicht verliert. Vorteil davon ist natürlich, dass die Blenden wirklich kreisrund sind und keine „Ecken“ besitzen wie das bei modernen Lamellensystemen fast unvermeidbar ist. Außerdem wurden mit dem Objektiv noch drei Steckblenden in besonderer Form geliefert: es gibt eine Tropfen-, eine Stern- und eine Sechseck-Form. Damit lassen sich Spitzlichter im Bokeh in die entsprechende Form bringen.

Ans Fotografieren mit diesem Objektiv muss man sich erst gewöhnen/einarbeiten. An modernen DSLRs tut man sich mit dem Fokussieren schwer. Verwender von Nikon-Kameras haben hier den Vorteil, dass der Schärfeindikator im Sucher trotzdem funktioniert, das ist meines Wissens nach bei Canon nicht so. Bei der Verwendung des Objektivs an einer alten Analogkamera kann man u.U. einen Schnittbildindikator zum Scharfstellen benutzen, dies erleichtert die Sache ungemein.

Das Fokussieren selbst funktioniert mit der Stellschraube seitlich am Objektiv sehr angenehm. Die Übersetzung ist groß genug und die Lage ist ergonomisch, trotzdem bietet sich ein Arbeiten vom Stativ aus an. Nach den ersten Bildern war ich vom Handling begeistert.

Bei der Bildkomposition unterliegt man der Beschränkung berücksichtigen zu müssen, dass sich der Sweet Spot, der scharfe Bildbereich, in der Mitte befindet. Je offenblendiger man arbeitet, desto deutlicher tritt dieser Effekt hervor.

Verwendet man die Linse an einer Crop-Kamera, dann wird wahrscheinlich ein Großteil des typischen kreisrunden Bokeh-Effektes mit weggeschnitten. Dies ist sehr schade, da ja dies gerade die Charakteristik des Bildes mit prägt. Ich werde das demnächst testen. Die folgenden Bildbeispiele sind mit einer Nikon D800 (Vollformat) in RAW aufgenommen, entwickelt in LR4 und mit dem Details Enhancer der Nik Tools ausgearbeitet. Bei den Blumen-Beispielbildern wurde bei der Aufnahme noch ein 20mm-Makro-Zwischenring verwendet.

Die ersten Linsen waren Anfang 2014 bei den Fotografen, die das Projekt bereits letztes Jahr auf Kickstarter unterstützten. Ich habe mein Exemplar im Februar 2014 vorbestellt, Mitte Juni kam es dann bei mir an.

Das Objektiv ist sicher nicht für jeden geeignet. Das Arbeiten damit entschleunigt deutlich! Vollständig manuelles Arbeiten ist angesagt, Kameraautomatiken funktionieren nicht. Auf keinen Fall ist die Linse ein „Immerdrauf-Objektiv“. Sicher dagegen ist, dass die Verwendung dieses Petzval-Objektivs etwas Besonderes darstellt.

Bilder, die ich mit diesem Objektiv gemacht habe, werde ich in meinem entsprechenden Flickr-Album veröffentlichen.

Der Vollständigkeit halber hier noch die Objektiv-Spezifikationen:

  • Brennweite: 85 mm
  • Größte Blende: f/2.2
  • Blendensystem: Waterhouse Steckblendensystem bis f/16
  • Bildkreis: 44mm
  • Blickwinkel: 28 Grad
  • Bajonett: Canon EF und Nikon F
  • keine elektronischen Kontakte
  • Naheinstellgrenze: 1 m
  • Filterdurchmesser: 58mm

Kurzer Funktionstest Walimex 8mm Fisheye 1:3,5 UMC CSII

Vor kurzem testete ich ein neues Walimex 8mm Fisheye auf Funktion. Dabei handelte es sich nicht um mein eigenes Exemplar, das nebenbei bemerkt ein Samyang 8mm ist. Beide Objektive werden allerdings von Samyang in Korea hergestellt und sind absolut baugleich. In Deutschland vertreibt Walimex die Objektive unter seinem eigenen Namen. Samyang-Objektive werden unter vielerlei Markennamen vertrieben, auch z.B. Rokinon, etc.

Bei dem Objektiv, mit dem die unten gezeigten Probeaufnahmen gemacht wurden, handelt es sich um die aktuelle, zweite Version des Fisheyes. Es besitzt ebenso wie sein Vorgänger einen manuellen Fokus. Neu ist allerdings die abnehmbare Streulichtblende. Dies bringt an Vollformatkameras den Vorteil, dass ein größerer Teil des Sensors genutzt werden kann, denn eigentlich ist das Objektiv ein Vollformat-Fisheye für einen Crop-Sensor. Der Bildwinkel beträgt am Crop-Sensor 180 Grad auf der Bilddiagonalen.

Zur Anfertigung der folgenden Probeaufnahmen benutzte ich eine Nikon D300 mit Crop-Sensor. Die Bilder sind in Lightroom entwickelte RAW-Dateien, meistens auch leicht beschnitten. Das Bild vom Keramikmuseum Weiden wurde auch noch mit Nik Color Efex bearbeitet.

Die Probeaufnahmen entstanden innerhalb von 15 Minuten um die Feuerwache und die Josefskirche herum in Weiden.

Wie bei eigentlich allen Ultraweitwinkel- und Fisheye-Objektiven zeigen sich beim Walimex/Samyang sichtbare chromatische Aberrationen. Die lassen sich aber einfach in Lightroom entfernen, so dass dies in der Praxis kein Problem darstellt.

Mein Exemplar des Objektivs nutze ich hauptsächlich bei der Erstellung der Kugelpanoramen, die ihr in der Panoramagalerie ansehen könnt, mit der Vollformatkamera. Dazu werde ich vielleicht auch einmal einen Blogpost verfassen. Bilder, die ich mit meinem Samyang-Fisheye gemacht habe, finden sich z.B. in meinem Artikel

Bilder von Altenstadt und Neustadt mit dem Fisheye

10 Minuten Landschaftsshooting bei Lanz

Ich stelle euch hier die Ergebnisse eines 10-minütigen Landschaftsshootings bei Lanz (oberhalb von Neustadt a.d. Waldnaab) vor. Nach dem Abliefern des Hundes bei der Tierärztin (er brauchte dringend eine Zahnreinigung!)  kam ich am Morgen des 03. Januar 2014 an dieser Stelle mit dem Auto vorbei. Der Ausblick war überwältigend: Der Frühnebel hatte sich noch nicht verzogen, dabei kam die Sonne  raus und tauchte die Landschaft in ein magisches Licht.

Also kurz angehalten und 10 Minuten Freihand-HDR’s mit der alten Nikon D300 fotografiert. Dafür ist sie ideal. Bei 7 Bildern pro Sekunde habe ich dann 9er-Belichtungsreihen mit einem Blendenwert Unterschied geschossen. Alles in einem Umkreis von nur 200m.

Die Ausarbeitung der Bilder dauerte dann aber wesentlich länger: Zuerst wurden die RAWs mit der NikHDR-Software aus Lightroom heraus als Tiffs erzeugt, dann in LR nachgearbeitet und schließlich für den letzten Schliff in NikColorEfex nochmal überarbeitet.

Hier die Ergebnisse (Klick macht groß):

RAW vs. HDR

Die Kamerasensoren werden stetig verbessert. Mit jeder neuen Kamerageneration wird auch der Dynamikbereich, den der Sensor abbilden kann, größer. Braucht man heutzutage dann eigentlich noch HDR-Bilder oder liefert die Entwicklung einer modernen RAW-Datei Bilder, die einen vergleichbaren Dynamikumfang besitzen wie getonemappte HDR-Aufnahmen?

Unser Auge kann Kontraste in einem Verhältnis von 10.000:1 erfassen, das sind ca. 14 LW (Lichtwerte, engl. EV = exposure value). Da das Auge aber kein starres System ist, kann es sich Lichtsituationen anpassen, außerdem ist unser Gehirn ein leistungsstarkes Rechenzentrum, das die vom Auge gelieferten Bildinformationen blitzschnell verarbeitet und interpretiert. Deshalb können wir Kontraste bis 1.000.000.000:1 unterscheiden. Umgerechnet in LW sind dies fast 30 LW. (Für Interessierte: Um das Kontrastverhältnis in Lichtwerte umzurechnen muss der dekadische Logarithmus des Kontrastverhältnisses mit dem Faktor 3,32 multipliziert werden.) Fairerweise muss man berücksichtigen, dass in einer konkreten Situation der von uns zu einem genauen Zeitpunkt wahrgenommene LW-Umfang trotzdem geringer ist, da sich das Auge   sehr schnell adaptiert, wenn man den Blick vom Schatten in einen sonnigen Bereich einer Szene schweifen läßt. Ein einzelnes (RAW-)Foto muss diesen gewaltigen Kontrastumfang ohne Adaption auf ein Mal abbilden!

Eine typische Tagesszene hat einen Dynamikumfang von 18-22 LW. Um alle Details zu erfassen genügen also die 8,5 LW des Sensors meiner Nikon D800 nicht. Moderne Filme können 5 bis 8 LW darstellen.

Will man also den tatsächlichen Dynamikumfang einer Szene mit starken Kontrasten abbilden, muss man mehrere Fotos der Szene (am besten vom Stativ aus!) bei verschiedener Belichtung aufnehmen und diese dann per entsprechender Software geeignet zusammensetzen. Damit erhält man ein sogenanntes HDRI (high dynamic range image). Viel nutzt einem das noch nichts, da es momentan kaum (bzw. nur unbezahlbare) Ausgabemedien gibt, die dieses Kontrastverhältnis darstellen können. Zum Beispiel kann ein guter alter Röhrenmonitor nur ca. 9 LW darstellen. Deshalb müssen HDR-Bilder durch das Tonemapping wieder in ein darstellbares Bild „heruntergerechnet“ werden.

Lohnt sich jetzt der Aufwand beim Erstellen von HDR-Bildern oder kann man durch das Entwickeln der Kamerarohdaten moderner Sensoren ain ähnlich gutes Ergebnis erreichen? Dazu hier mal zwei Beispiele:

Der erste Vergleich zeigt zwei Bilder derselben Abendszene. Das HDR-Bild wurde mit Nik HDR Efex Pro 2 aus einer Belichtungsreihe von 9 Raw-Dateien (jeweils ein LW Belichtungsabstand) einer Nikon D800 erstellt. Das RAW-File mit der mittleren Belichtung wurde mit Lightroom entwickelt.

Zunächst das HDR-Bild:
Abendstimmung HDR
und hier die entwickelte RAW-Datei:
Abendstimmung RAW
Die Bilder wurden manuell beschnitten, weshalb die Ausschnitte leicht variieren.

Der Unterschied beider Bilder ist meiner Meinung nach nicht besonders groß. Die Wolken beim HDR zeigen etwas mehr Struktur.

Das zweite Beispiel zeigt eine Tages-Landschaftsaufnahme. Das HDR wurde aus einer Belichtungsreihe mit 5 Aufnahmen (ein LW Belichtungsabstand, ebenfalls Nikon D800) mit Nik HDR Efex Pro 2 erzeugt.

Auch hier zunächst das HDR-Bild:
landscape HDR
und die entwickelte RAW-Datei:
landscape RAW

Hier ist der Unterschied nun deutlich sichtbar. Dies liegt zum Teil aber auch am verwendeten Tonemapping. Die Einstellungen beim Tonemapping sind Geschmackssache und deshalb sehr subjektiv. Von einem realistisch/natürlichen bis zu einem stark surrealen Bildlook ist beim Tonemapping alles möglich. Die Details im Schatten sind bei der HDR-Version deutlich besser sichtbar. Dafür gibt es aber auch deutlich sichtbare Halos, besonders in der linken oberen Ecke. Das entwickelte RAW-Bild entspricht viel mehr dem, was wir seit über 100 Jahren Photografie gewohnt sind zu sehen. Bei starken Helligkeitskontrasten werden die Schattenpartien deutlich dunkler (bis zum Absaufen) oder die hellen Bereiche brennen aus. Ganz so schlimm wie sich das jetzt anhört ist es nicht, aber Ansätze davon sind im letzten Bild schon erkennbar. Dennoch zeigt das RAW mehr Details als es zu analogen Filmzeiten ohne aufwendige Nacharbeit mit Abwedeln und anderen Dunkelkammertechniken möglich war darzustellen.

FAZIT:

Durch die gestiegene Abbildungsleistung moderner Kameras ist es nicht mehr so häufig nötig, HDR-Belichtungsreihen aufzunehmen. Durch die Möglichkeit der RAW-Entwicklung erreicht man bei vielen Belichtungssituationen ein gutes bis sehr gutes Ergebnis. Natürlich gibt es nach wie vor extreme Belichtungssituationen, bei denen der Dynamikbereich eines RAW-Fotos nicht ausreicht, hier kommt man ohne die HDR-Technik nicht aus. Die Situationen, in denen das aber so ist, sind weniger geworden.

Seit ich die Nikon D800 besitze mache ich wesentlich weniger HDRIs. Zum einen, weil mir der Dynamikumfang des Sensors ausreicht, zum anderen aber auch einfach aus dem praktischen Grund, dass es mit der D800 wegen der langsamen Bildfolge (und der erzielbaren Schärfe aus der Hand) schwierig bis unmöglich ist, längere Belichtungsreihen ohne Stativ aufzunehmen.

Geotagging von Fotos mit externen GPS-Geräten

Nicht jeder besitzt einen Geotagger, der die Ortskoordinaten direkt bei der Aufnahme in die Exif-Daten des Fotos schreibt. Ein eigener Blogbeitrag dazu findet sich hier. Eine andere Möglichkeit, seine Fotos mit Geoinformationen zu versehen, beschreibe ich in diesem Beitrag. Es ist eine Lösung, die viele Leute ganz einfach ohne neue, teure Hardware realisieren können, da sie die dazu nötigen Geräte sowieso schon besitzen. Ich meine damit ganz normale Smartphones (mit GPS-Empfänger) oder mobile Navigationsgeräte zum Wandern oder Fahrradfahren.

Garmin Vista C

Garmin Vista C

Prinzipiell wird bei dieser Lösung von den externen GPS-Empfangsgeräten ein sogenannter „Track“ aufgezeichnet. Eine Trackaufzeichnung ist nichts anderes, als dass während der Aufzeichnung in gewissen Zeit- oder Ortsintervallen die momentane Uhrzeit und die zugehörigen Ortskoordinaten in eine Datei geschrieben werden. Um die Weiterverarbeitung möglichst einfach zu halten sollte der aufgezeichnete Track als GPX-Datei zur Verfügung stehen. Für Smartphones der verschiedenen Betriebssysteme gibt es passende Apps, die eine GPX-Datei erzeugen können. Bei Navigationsgeräten muss man die Daten oft erst auf den PC mit herstellerspezifischer Software auslesen und daraus eine GPX-Datei erzeugen. Einfacher geht es hier, die Daten von den Navigationsgeräten z.B. mit dem kostenlosen Tool EasyGPS direkt auszulesen und als GPX-Datei zu speichern.

Es ist darauf zu achten, dass die Uhr der Kamera und die Uhr des Trackaufzeichnungsgerätes nach Möglichkeit synchronisiert sind. Dies spart einem beim Zusammenführen der Fotos mit den Ortskoordinaten den Schritt, einen bestehenden Zeitunterschied nachträglich zu ermitteln und zu berücksichtigen.

Hat man nun während des Fotografierens seinen Track aufgezeichnet und eine GPX-Datei zur Verfügung, so kann man mittels geeigneter Software die Ortskoordinaten in die Exif-Daten der Fotos schreiben lassen. Die Software vergleicht hierzu die Aufnahmezeit eines Fotos mit den Zeitdaten aus dem GPX-File und findet so den Aufnahmeort des Fotos.

Als Geotagging-Software kann man z.B. die Freeware Geosetter verwenden. Hier im Artikel zeige ich es am Beispiel Lightroom, da viele Fotografen diese Software sowieso schon nutzen. Lightroom unterstützt das Geocoding ab Version 4.

Das Kartenmodul in Lightroom 4

Das Kartenmodul in Lightroom 4

Zunächst geht man in Lightroom in das Kartenmodul. Sodann öffnet man die aufgezeichnete GPX-Datei mit dem gespeicherten Track. Dazu benutzt man entweder in der Menüleiste das Menü „Karten -> Tracklog -> Tracklog laden“  und dann den Menüpunkt „Karten -> Tracklog -> ausgewählte Fotos automatisch taggen“, oder man geht den analogen Weg über das gezackte Track-Symbol unter der Karte (falls dieses Symbol in der Ansicht aktiviert ist). Sollte die Uhr der Kamera bei der Aufnahme der Fotos nicht mit der Uhr des GPS-Loggers synchronisiert gewesen sein, kann man die Uhrzeitdifferenz in LR unter dem Menüpunkt „Karte -> Tracklog -> Zeitzonenverschiebung einstellen…“ nachträglich noch angleichen.